Josef «Joschi» Borka, einst der Rennmechaniker von Gotfrid Köchert, Curd Barry und Jochen Rindt, starb Montag früh im Alter von 81 Jahren in Wien.
Man nannte ihn Joschi. Und er war schon zu Lebzeiten eine Legende. Zu einer Zeit, als in den Fünfzigerjahren kaum ein Mechaniker in Wien mit den Motoren eines Porsche Spyders oder Ferrari Testa Rossa umgehen konnte, schraubte er bereits an den Rennsportwagen des Wiener Hof-Juweliers Gottfried Köchert. Er war mit ihm bei der Mille Miglia 1956, wo Köchert einen Spyder fuhr, und auch 1957 an seiner Seite, als der Wiener Herrenfahrer den zehnten Gesamtrang mit seinem 2-Liter Ferrari rausfuhr.
Als sich Köchert einen 3-Liter Testa Rossa Ferrari für die Rennsaison 1958 zulegte, holte Joschi den Renner in Maranello ab um ihn für das Asperner Flugplatzrennen startklar zu machen. Joschi fuhr nach dem Rennen den Testa Rossa mit «PROVA» Kennzeichen von Aspern nach Wien in die Stadt zurück – heute nicht auszudenken was passieren würde. Er arbeitete in der Barry-Garage am Modena Park, die zum Treff aller Wiener Autosportler wurde, und als der Junior Chef Curd Barry sich seinen ersten Formel Junior Cooper-Rennwagen kaufte, kannte sich nur einer damit aus: der Joschi.
Als Curd Barry zusammen mit Rolf Markl und Gunther Philipp die Ecurie Vienne gründete, war er der Chefmechaniker. Als Jochen Rindt 1963 den Cooper Formel Junior von Curd Barry kaufte, formierte sich die Renngemeinschaft Barry-Rindt. Joschi Borka betreute beide Autos und Rindt kostete ihn viele schlaflose Nächte, denn das neue Super-Talent zerstörte am laufenden Band Motoren, Getriebe und Radaufhängungen.
Borka damals zu Rindt: «Wennst weiter nur Schrott ablieferst, kannst dir dein Auto selber reparieren...»
Borka fuhr den Renntransporter durch ganz Europa, zwischen Ersatzreifen hatte er ein Geheimfach angelegt, wo er aus Österreich den Gumpoldskirchner fürs Ausland einlagerte, und aus Brünn Krim-Sekt «importierte». Als Rindts Formel Junior Rennwagen in Monza bei den technischen Kommisären den Verdacht erregte, das geforderte Mindestgewicht nicht auf die Waage zu bringen, half kein Gumpoldskirchner mehr. Joschi musste sich was anderes einfallen lassen. Unbemerkt schüttete er eine Gießkanne Wasser in den schaumgummigepolsterten Sitz. Plötzlich stimmte das Gewicht.
In den Ferrari-LM von Gottfried Köchert, mit dem Jochen Rindt 1965 das 500 km Rennen auf dem Zeltweger Militärflughafen bestritt, baute er am Lenkrad einen Schalter ein, mit dem Rindt das Bremslicht betätigen konnte. Auf den langen Geraden tippte er jeweils den Bremslichtschalter an, worauf sein Verfolger Mike Parkes im schnelleren Werks-Ferrari in die Bremsen stieg, Rindt aber noch voll am Gas blieb. Rindt gewann nicht zuletzt dank dieses Tricks das Rennen.
Nachdem Curd Barry 1964 starb, machte Borka in der Draschestraße in Wien 23, beginnend in einer kleinen Blockhütte, eine eigene Werkstätte auf. Alles was in Wien einen Alfa, Ferrari, Porsche, Maserati oder Lamborghini hatte, kam zum Joschi, denn es gab weit und breit keinen besseren Mechaniker.
Seine handwerklichen Fähigkeiten waren genial, er hat sie an seinen Sohn Fredi vererbt, der heute mit seiner Frau Renate die Alfa-und Fiat-Werkstätte führt.
In den Anfangsjahren der Ennstal-Classic war Joschi Borka natürlich mit an Bord. Er bastelte aus Ventilen von Lkw-Motoren goldene Spezialpreise, und wenn irgendwo ein Oldtimer streikte, packte er zu.
Er war ein Wiener Original, mit einem umwerfenden Schmäh. Wann er nicht unter einem Auto lag, ging er seinem Hobby nach: Fischen. |